Legal Compliance auf Autopilot: Hören wir auf, Paragrafen zu verwalten - von Bernhard Landrichter, CEO bei Codara Group GmbH.
Zugegeben: Rechtsmonitoring ist nicht die Aufgabe, um die sich ein Compliance Officer wirklich reißt. Aber gemacht werden muss es trotzdem – insbesondere in hochregulierten Bereichen wie der Prozessindustrie, der Energieversorgung oder der hochspezialisierten Fertigungsindustrie, wo jede übersehene Gesetzesänderung unmittelbar die Betriebserlaubnis oder die Produktsicherheit gefährden kann.
Die Sache ist, wer heute noch manuell Gesetzestexte sichtet, um das Rechtsregister aktuell zu halten, handelt wie jemand, der beim Autofahren mit einer Straßenkarte aus Papier navigiert. Es funktioniert zwar irgendwie, aber es ist fehleranfällig und aufwendig.
Die eigentliche Frage ist also: Warum lassen wir es zu, dass hochqualifizierte Compliance-Officer und Unternehmensjurist:innen ihre wertvolle Zeit mit der Suche nach regulatorischen Änderungen, deren Bewertung und Übertragung verschwenden, statt sie für die rechtliche Begleitung strategischer Themen zu nutzen?
Die Illusion der Sicherheit: Das Problem der Momentaufnahme des statisches Rechtskatasters
Das klassische Rechtskataster leidet systembedingt unter folgender Schwäche: Es ist ein reines Reaktionsinstrument, das den Rechtsstand stets nur zum Zeitpunkt der letzten Prüfung abbildet. In den Zeiträumen zwischen diesen manuellen Updates bewegen sich Unternehmen somit im juristischen Blindflug. Ganz ähnlich wie der oder die Autofahrer:in mit einer nicht mehr aktuellen Straßenkarte.
Das ist nicht nur ein Haftungsrisiko, sondern auch eine verpasste Chance. Schließlich eröffnen neue Regulierungen oft auch neue Wege für ein Unternehmen – wenn man sie denn rechtzeitig erkennt.
Die neue Ära: Laufende Synchronisation statt Stichtagsbetrachtung
Wir müssen Legal Compliance daher neu denken: weg von der belastenden administrativen Aufgabe, hin zu einer dynamischen Begleitung des Rechtsgeschehens. Die Lösung liegt im konsequenten Einsatz von KI. Erst durch KI-gestütztes Monitoring können wir die riskante, retrospektive Stichtagsbetrachtung durch eine permanente Synchronisation mit der aktuellen Rechtslage ersetzen.
In meinem anstehenden Espresso Talk bei der Compliance Now in Frankfurt werde ich gemeinsam mit Rechtsanwältin Stephanie Maier-Herbeck (Kanzlei CERHA HEMPEL) darüber diskutieren, wie die KI als „Autopilot“ die Effizienz der Legal Compliance radikal verbessert.
Vom Verwalten zur Gestaltung: Wie KI die Brücke zwischen nacktem Gesetzestext und konkreter Handlungsempfehlung schlägt.
Haftungsfragen im Speed-Zeitalter: Warum die lückenlose Dokumentation von der Identifikation bis zur lückenlos dokumentierten Umsetzung der einzige wirksame Schutz für die Organhaftung ist.
Gesetzesentwürfe - Antizipation statt Reaktion: Ein Ausblick auf den „Codara Legislative Radar“ – der die Überwachung von Gesetzesvorhaben automatisiert.
Einladung zum Dialog
Der Einsatz von KI in der Legal Compliance verfolgt nur ein Ziel: Menschen von der administrativen Last der Recherche und Nachverfolgung zu befreien. Legal Compliance der Zukunft bedeutet für uns: weg von der statischen Verwaltung, hin zur aktiven Steuerung rechtssicherer betrieblicher Abläufe.
Ich freue mich darauf, diese Thesen bei der Compliance Now Deutschland (Business Circle) am 7. und 8. Mai 2026 in Frankfurt zu vertiefen und gemeinsam mit Stephanie Maier-Herbeck aufzuzeigen, wie wir daran arbeiten diese Vision heute schon in die juristische Praxis umzusetzen.