Vier Jahre in Folge auf der GC Powerlist Austria von The Legal 500, für einen Unternehmensjuristen ist das nicht alltäglich. Naheliegend wäre, das mit fachlicher Exzellenz oder einem starken Netzwerk zu erklären. Mario Zlattinger führt es auf etwas viel Wesentlicheres zurück: ein von Beginn an klar umrissenes Selbstverständnis davon, was die Rolle eines Inhouse Counsel ist.
Sein Wechsel aus der Kanzlei in eine Rechtsabteilung im Jahr 2019 war eine bewusste Entscheidung, die von der Motivation getragen war, die viele Inhouse-Juristen teilen: Mitgestalten statt nur Beraten. Als Unternehmensjurist kann er tiefer in die rechtliche Begleitung von rechtlichen Fragestellungen einsteigen und erhält unmittelbar Rückmeldung, ob seine Beratung tatsächlich praktikabel war, erklärt Zlattinger.Sein Rollenverständnis als Unternehmensjurist war von Anfang an klar definiert. Zlattinger sieht sich als jemand, der früh in Prozesse einbezogen wird, idealerweise, bevor ein Problem überhaupt entsteht. Interesse für die wirtschaftlichen Zusammenhänge prägt seinen Ansatz stark, was sich auch in seiner Ausbildung zeigte.
„Ich wollte nie als der Verhinderer aus der Rechtsabteilung auftreten, sondern als Enabler."
— Mario Zlattinger, Leiter Recht, AYVENS Österreich & Schweiz
Diesen Anspruch überträgt er auf seine Führungsrolle. Sein Ziel ist eine Rechtsabteilung, die Orientierung gibt, Verantwortung übernimmt und sichtbar zum Unternehmenserfolg beiträgt. Die Abteilung soll nicht so sehr als juristische Kontrollinstanz auftreten, sondernals strategischer Business Partner.
Was gute Inhouse-Jurist:innen ausmacht
Auf die Frage nach der entscheidenden Fähigkeit antwortet Zlattinger ohne große Umschweife: Urteilsvermögen. Denn rechtliches Risiko und wirtschaftlicher Nutzen müssten für jeden Fall immer wieder neu gegeneinander abgewogen werden. Wer nur in den Kategorien „erlaubt" und „verboten" denke, mache es sich zu einfach. Für Zlattinger heißt kreatives juristisches Denken, gangbare Lösungen zu entwickeln. Genau diese Kompetenz erwartet er von seinem Legal Team.
Legally invisible: gute Arbeit, die niemand sieht
Eine der zentralen Herausforderungen von Rechtsabteilungen ist struktureller Natur: Ihre beste Arbeit bleibt unsichtbar. Ein Risiko, das gar nicht erst eintritt, taucht in keiner Statistik auf. Es lässt sich weder intern quantifizieren noch kommunizieren.
„Die tatsächliche Leistung eines Inhouse-Juristen sieht die Geschäftsführung üblicherweise gar nicht. Vieles wird abgefangen, bevor es eskaliert. Genau deswegen bleibt die Arbeit von Legal intern oft unsichtbar."
— Mario Zlattinger, Leiter Recht, AYVENS Österreich & Schweiz
Hinzu kommt aus seiner Sicht ein kulturelles Defizit: Unternehmensjurist:innen betreiben schlicht zu wenig Selbstmarketing. Zlattinger begegnet dem systematisch. Er nutzt die internen Kanäle vom Intranet bis zum Town Hall, um den Beitrag seiner Abteilung sichtbar zu machen. Dafür setzt er auch Kennzahlen ein. Eine Kennzahl, die sich bewährt hat: wie viele Fälle täglich eingehen und wie lange deren Bearbeitung dauert.
Dieser Benchmark ist mehr als nur ein Reporting-Instrument. Er ist die Grundlage, um den Einsatz von KI bewerten zu können. Ohne Kenntnis des Ausgangszustands lassen sich Effizienzgewinne später nicht belegen.
So wird ein Legal Counsel sichtbarer
Die GC Powerlist-Auszeichnung versteht Zlattinger als Ehre und als Signal, das über seine Person hinausreicht. Dieses Ranking mache den Wert der Arbeit von Unternehmensjurist:innen am Markt sichtbar und sei ebenso eine Anerkennung für seine Rechtsabteilung und das Unternehmen.
Seine Empfehlung an Kolleginnen und Kollegen: Präsenz zeigen, Einblick in die eigenen Prozesse geben, die Arbeit von Legal für das ganze Unternehmen nachvollziehbar machen. Und, vielleicht der wichtigste Punkt: den Mut mitbringen, den der Job braucht.
„Man muss als Inhouse-Jurist mutiger sein und darf nicht immer nur risikoavers denken. Das ist ein Prozess, der mit der Erfahrung kommt. Wer unterschiedliche Blickwinkel versteht, mit vielen Menschen spricht und Zusammenhänge erkennt, kann bessere Entscheidungen treffen und auch mehr Risiko eingehen."
— Mario Zlattinger, Leiter Recht, AYVENS Österreich & Schweiz
Sein letzter Appell: Geht raus. Zeigt Präsenz. Macht den Wert von Legal sichtbar.
Mario Zlattinger wurde am 18. Juni 2026 zum vierten Mal für die GC Powerlist Austria von The Legal 500 ausgewählt. Wir bedanken uns für das Interview und gratulieren!
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