„Die zunehmende Regulierung bringt unsere Rechtsabteilung an ihre Grenzen. Von allen Seiten prasselt es auf uns ein.“ Das war der Grundtenor der Legal Operations Konferenz 2026, die am 17. und 18. Juni in Köln stattfand und vom JUVE Verlag organisiert wurde.
Die Stimmung zog sich durch nahezu jeden Vortrag der Konferenz. Weitere Themen: Kostendruck, Regulierungsflut und rasant steigende Anforderungen. Die Antwort darauf: Legal und Compliance-Abteilungen müssen strategisch arbeiten, statt sich in repetitiven, manuellen Prozessen zu verlieren.
Wie einer Rechtsabteilung das gelingen kann, ohne an Effektivität zu verlieren, zeigte Dr. Florian Koemm, Head of Legal & Compliance Operations bei Siemens Energy, in seinem Vortrag.
Das Wichtigste in Kürze
✓ Legal Operations übersetzt Legal Tasks in Workflows, damit sich Rechtsabteilungen auf strategische Aufgaben konzentrieren können.
✓ Prozesstransparenz ist die Voraussetzung für jede Digitalisierungsinitiative: „Process first, Tech second."
✓ Change Management ist die größte Hürde, lässt sich nicht allein aus der Rechtsabteilung stemmen.
Codara Regulatory Monitoring ansehen →Was ist Legal Operations – und warum wird der Begriff jetzt relevant?
Der Begriff „Legal Operations” bezeichnet die operative und strategische Steuerung einer Rechtsabteilung, zu der Prozesse, Technologie, Ressourcen, Wissensmanagement und die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen und Unternehmensbereichen gehören. Kurz gesagt umfasst der Begriff alles, was nötig ist, damit das Legal Team seine eigentliche Arbeit tun kann, ohne in administrativen Aufgaben zu versinken.
Dass der Begriff „Legal Operations” aktuell an Bedeutung gewinnt, ist kein Zufall. Rechtsabteilungen stehen unter Druck, effizienter zu werden – bei gleichbleibender oder wachsender Komplexität. KI und Digitalisierung verändern, was automatisierbar ist. Und die Regulierung nimmt zu, nicht ab. War Legal Operations bisher eher ein Nice-to-have in großen Konzernen, so wird das Thema nun zum strategischen Must-have.
Florian Koemms Kernthese: Legal Tasks zu Workflows machen
Dr. Florian Koemm sieht als oberste Maxime, dass Legal Tasks in Workflows übersetzt werden, damit sich die Rechtsabteilung auf strategische Themen konzentrieren kann. Was bedeutet das konkret? Koemm unterscheidet zwischen dem, was Juristinnen und Juristen können, strategisches Denken, komplexe Abwägungen, Urteilsvermögen, und dem, was sie täglich tun: repetitive Aufgaben. Diese lassen sich digitalisieren, wenn die Prozesse erst einmal sauber dokumentiert wurden.
„Process first, Tech second": Warum ist Prozesstransparenz nicht optional?
Viele Digitalisierungsinitiativen scheitern nicht an der Technologie, sondern daran, dass die zu digitalisierenden Prozesse nie sauber dokumentiert wurden. Prozesstransparenz ist das Fundament jeder Optimierung: Ohne sie scheitert nicht nur jede sinnvolle Automatisierung, sondern es fehlt auch die Basis, um Ineffizienzen gezielt zu priorisieren.
Koemm veranschaulichte das anhand von vier Treibern, die von Siemens Energy zur Entwicklung eines gemeinsamen Prozessrahmens herangegezogen wurden:
- Kostendruck: Ineffizienzen bleiben unsichtbar, solange Prozesse nicht dokumentiert sind.
- Digitalisierung & KI: Ohne standardisierte Prozesse ist keine sinnvolle Automatisierung möglich. Der Grundsatz: „Process first, Tech second."
- Scaling & Growth: Organisches Wachstum und M&A multiplizieren Komplexität – es sei denn, Prozesse können skalieren.
- Regulatorischer Druck: CSRD, CBAM, EU Taxonomy, Sanktionen – dokumentierte, nachvollziehbare Prozesse reduzieren Compliance-Risiko und Prüfaufwand messbar.
Koemm zitierte Peter Drucker, der es vor mehr als 100 Jahren in „Management Challenges for the 21st Century" auf den Punkt brachte:
„Productivity of the knowledge worker will almost always require that the work itself be restructured and be made part of a system."
— Peter Drucker, Management Challenges for the 21st Century (1999)
Dieser Gedanke gilt heute mehr denn je – insbesondere in der Rechtsbranche, egal ob in Rechtsabteilungen oder in Kanzleien.
Wo scheitert Legal Operations am häufigsten?
Technologie und Prozesse lassen sich planen, kultureller Wandel hingegen nicht. Transformation ist kein internes IT-Projekt.
„Wir haben Change Management unterschätzt. Aber das können wir als Abteilung nicht stemmen. Wir können nur die Rahmenbedingungen dafür schaffen – die unternehmensweite Umsetzung müssen die anderen leben."
— Dr. Florian Koemm, Head of Legal & Compliance Operations, Siemens Energy
Die Verantwortung für kulturellen Wandel liegt beim gesamten Unternehmen. Bei Siemens Energy hat man das strukturell gelöst: Ein dedizierter Change Manager und ein AI Champions Lead begleiten die Transformation. Getreu dem Motto: Menschen und Organigramm zuerst, Technologie danach.
Leadership, nicht Technologie: „Energize. Transform. Simplify."
Koemms Leadership-These ist das Fundament aller anderen Aussagen. Drei Begriffe bilden das Rahmenwerk, mit dem Siemens Energy Legal & Compliance Operations aufgestellt ist:
✓ Energize. Durch die beste Legal & Compliance-Erfahrung im Unternehmen Begeisterung erzeugen, intern wie extern.
✓ Transform. Neu denken, was die Abteilung tut, um eine bessere Arbeitsweise zu ermöglichen und für die Zukunft bereit zu sein.
✓ Simplify. Prozesse kontinuierlich überprüfen und smarte Technologie einsetzen, um unnötige Komplexität zu eliminieren.
Digitalisierung ist eine Führungshaltung. Damit sie gelingt, muss das Leadership die Richtung vorgeben, Prioritäten setzen und Verantwortung einfordern.
Wie unterstützt Codara Legal Operations-Teams?
Das Ziel, repetitive Legal Tasks zu digitalisieren, um regulatorischen Druck zu bewältigen, ist genau der Bereich, in dem das Legal Compliance Operating System von Codara ansetzt.
Rechtsabteilungen, die relevante Gesetzesänderungen heute manuell tracken – etwa über Verteiler, Newsletter, manuelle Recherchen –, investieren Zeit in eine Aufgabe, die sich heute schon zuverlässig automatisieren lässt. Codara Regulatory Monitoring übernimmt das Tracking relevanter Rechtsquellen, analysiert die Relevanz, übersetzt die Änderungen in verständliche Sprache, schlägt Handlungsempfehlungen vor und hilft bei der lückenlosen Dokumentation.
Repetitive Legal Tasks automatisieren – mit Codara
✓ Automatisches Monitoring relevanter Rechtsquellen – ohne manuelle Recherche
✓ Relevanzanalyse & Handlungsempfehlungen direkt im System
✓ Lückenlose Dokumentation für Audit und Reporting
Demo anfordern →Lesen Sie auch:
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→ Whitepaper: Rechtssichere Legal Compliance 2026
Dieser Artikel basiert auf dem Vortrag von Dr. Florian Koemm, Head of Legal & Compliance Operations bei Siemens Energy, bei der Legal Operations Conference am 17./18. Juni 2026 in Köln.
Was ist der Unterschied zwischen Legal Operations und Legal Tech?
Der Begriff Legal Tech bezeichnet die Technologie, also Tools, Software und KI-Anwendungen. Legal Operations ist das übergeordnete Konzept, das beschreibt, wie eine Rechtsabteilung strategisch geführt, organisiert und weiterentwickelt wird. Legal Tech ist ein Instrument für Legal Operations, aber nicht dasselbe.
Für welche Unternehmen ist Legal Operations relevant?
Grundsätzlich ist Legal Operations für jede Rechtsabteilung relevant, die unter Effizienz- oder Skalierungsdruck steht. In der Praxis ist Legal Operations heute insbesondere für große Unternehmen in stark regulierten Branchen wie Energie, Finanzdienstleistungen, Pharma oder Automotive relevant, in denen regulatorische Komplexität und Kostendruck gleichzeitig wachsen.
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Was ist der erste Schritt in Richtung Legal Operations?
Prozesstransparenz, denn vevor eine sinnvolle Digitalisierung oder Automatisierung erfolgen kann, müssen die Legal Tasks sauber dokumentiert und priorisiert sein. Das Prinzip lautet: „Process first, Tech second.“
Wie geht Legal Operations mit KI um?
KI ist ein Enabler, aber kein Ersatz. In einem Legal-Operations-Modell übernehmen KI-Agenten wiederkehrende Aufgaben wie Monitoring, Standardisierung und Dokumentation. Juristinnen und Juristen hingegen konzentrieren sich auf Urteilsvermögen, Strategie und die Qualitätssicherung der KI-Systeme. Genau das ist der menschliche Mehrwert, den Technologie nicht ersetzen kann.